Markgraf Carl Wilhelm von Baden-Durlach (1679 – 1738) liebte die „elegantissimae species“ der Tulpe. Er ließ die Modeblume des Barock und andere botanische Kostbarkeiten des Schlossgartens von verschiedenen Künstlern malen. Im Laufe der Jahre entstanden etwa 6000 Blätter in Aquarelltechnik. Erhalten geblieben ist von den Blumendarstellungen nur ein kleiner Teil, beispielsweise das „Karlsruher Tulpenbuch“.
Der kostbare Band befindet sich in der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. (www.blb-karlsruhe.de/virt_bib/tulpen/) Er umfasst 72 Pflanzenporträts. Die Abbildungen geben den Zeitgeschmack wieder: Waren im Orient einfarbige Tulpen mit einem schmalen länglichen Kopf und spitz zulaufenden Blütenblättern gefragt, so begeisterten in Europa Züchtungen mit großen Blütenkelchen. Waren sie geflammt und zwei- bis mehrfarbig oder sogar gefüllt, um so besser!
Die Tulpenaquarelle waren nicht nur schön anzusehen, sie ergänzten die Bestandslisten der Gärtner auf eindrucksvolle Weise. Stolz konnten Karlsruher Neuzüchtungen wie zum Beispiel die Sorte „Marggräfin Sybilla Augusta von Baaden“ dokumentiert und stilvoll präsentiert werden. Zudem sollten die Darstellungen Teil eines botanischen Kupferstichwerks werden, das der Markgraf herstellen lassen wollte.