Fürstlicher Lustgarten mit spektakulärem Gewächshaus

Botanischer Garten Karlsruhe

Annäherung an den historischen Gestaltungszustand

Die Sanierung

der Schaugewächshäuser

Die historischen Schaugewächshäuser des Botanischen Gartens Karlsruhe werden zurzeit saniert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Anfang 2017. Dabei werden sowohl ursprüngliche Bauentwürfe als auch damalige Bepflanzungspläne berücksichtigt.

Innenansicht des Warmhauses; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Thomas Huber

Blick ins Warmhaus.

Grundlegende Sanierung notwendig

Akute statische Probleme an der Konstruktion der Schaugewächshäuser, vor allem vom Wiederaufbau nach dem Krieg herrührend, müssen behoben werden. Dabei werden heute kritisch beurteilte Ergänzungen der jüngeren Zeit teils rückgängig gemacht, wobei die gesamte 150-jährige Entwicklung des Bauwerks aus denkmalpflegerischer Sicht respektiert wird. Gleichzeitig kann die Zusammensetzung der Pflanzen und ihre Präsentation im Vergleich zu den historischen Inventaren und Beschreibungen überprüft werden.

Detail aus einem Schnitt für die Glashäuser neben der Orangerie, wohl 1853

Detail aus einem Schnitt für die Glashäuser, wohl 1853.

Veränderungen seit der Entstehungszeit

Ursprünglich wurden die Gewächshäuser vom badischen Hofbaumeister Heinrich Hübsch von 1853 bis 1857 errichtet und unter seinen Nachfolgern Karl Joseph Berckmüller und Jakob Friedrich Dyckerhoff materiell verändert und dem Zeitgeschmack angepasst. Die Holzkonstruktion wurde dabei durch Eisen ersetzt. Der Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges geschah in vereinfachter Form. Verändert hat sich über die Generationen auch die Zusammensetzung und Präsentation der Pflanzensammlung.

Typische Stahlkonstruktion; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Sandra Eberle

Typische Stahlkonstruktion.

Rückbesinnung auf den ursprünglichen Zustand

Die gefundene bauliche Lösung orientiert sich an den erhaltenen konstruktiven Details der Bauzeit, als die Gewächshäuser zu reinen Eisen-Glas-Konstruktionen umgebaut wurden. Die Pflanzen sollen künftig wieder so ausgewählt und aufgestellt werden, wie es damals üblich war und für die einzelnen Häuser bis ins Detail nachgewiesen ist. Ziel ist es, dass der Botanische Garten wieder als die zur Mitte des 19. Jahrhunderts von Heinrich Hübsch geplante anspruchsvolle Gartenarchitektur wahrgenommen wird.

Kamelie; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Thomas Huber

Kamelie aus der Kamelienschau.

Repräsentation und Wissenschaft unter einem Hut

Dort, wo die Gewächshäuser eng mit den Interessen des Fürstenhauses verbunden waren, wie in Hannover oder Karlsruhe, wurde die Blumen- und Orangeriekultur trotz des ansonsten immer stärker dominierenden wissenschaftlichen Sammelinteresses beibehalten. Die Gartendirektion beschränkte sich hier auf bestimmte Gattungen, um dem Schönheitsempfinden durch deren massenhafte Anpflanzung nachzukommen. Bei der Instandsetzung wird man insbesondere die Kamelienhaus-Tradition wieder aufgreifen.