Vogelschauplan von Residenzschloss und Stadt Karlsruhe, Kupferstich, 1739, nach Christian Thran

Die Fürsten und die Gartenkunst

Wissenswert und amüsant

Die Markgrafen von Baden-Durlach und späteren Großherzöge von Baden waren als sparsame Fürsten bekannt – doch für Pflanzen und Gartenanlagen wandten sie immer viel Geld und Mühe auf. Im 19. Jahrhundert entstand eine umfangreiche wissenschaftliche Pflanzensammlung.

Markgraf Karl Wilhelm von Baden, Lithografie des Stadtgründers von Karlsruhe, um 1820

Markgraf Karl Wilhelm, Stadtgründer von Karlsruhe.

Karlsruhe, der bescheidene Hof

Im Vergleich zu den verwandten Markgrafen von Baden-Baden und anderen Fürsten waren die protestantischen Baden-Durlacher eher sparsam. Bei der ersten, 1715 unter Markgraf Karl Wilhelm errichteten Schlossanlage waren einige Teile noch aus Holz oder Fachwerk gebaut. Sein Enkel, Markgraf Karl Friedrich, der von 1746 bis 1811 regierte, errichtete einen steinernen Neubau. Doch auch er, der 1806 der erste Großherzog von Baden wurde, galt als bescheidener Mensch.

Schloss und die Stadt Karlsruhe aus der Vogelperspektive, Detail aus dem Kupferstich nach Christian Thran

Detail des Plans für Residenzschloss und Gartenanlage.

Liebe zum Grünen

Dennoch: Den Gärten und Pflanzensammlungen maßen die Fürsten in Karlsruhe immer große Bedeutung bei – das war schon in der alten Residenz in Durlach so gewesen. Mit der Planung für Schloss und Stadt Karlsruhe begründete Karl Wilhelm die Gartenkultur in der neuen Residenzstadt. Prächtige Lustgärten entstanden an dem Schloss. Eine umfangreiche Sammlung exotischer Pflanzen wurde aufgebaut. Besonders berühmt: die Tulpensammlung Karl Wilhelms.

Porträt der Markgräfin Karoline Luise von Baden, Mitbegründerin des Botanischen Gartens Karlsruhe

Karoline Luise von Baden.

Wissenschaftliche Sammlung

Die Pflanzenbestände von Karl Wilhelm waren aus der barocken Leidenschaft fürs Sammeln und für alles Exotische entstanden. Im Sinne dieser Tradition handelte auch sein Enkel Karl Friedrich. Er förderte zunächst vor allem Landwirtschaft und Obstanbau. Unter dem Einfluss seiner Ehefrau Karoline Luise, die mit dem berühmtesten Forscher der Zeit, Carl von Linné, in Kontakt stand, beschäftigte er sich zunehmend mit der Botanik und baute die wissenschaftliche Pflanzensammlung auf.

Historischer Stich des ehemaligen Wintergartens im Botanischen Garten Karlsruhe

Die Pflanzenhäuser entstanden in den 1850er-Jahren.

Neue Flächen für die Botanik

Bald waren die bisherigen Pflanzenhäuser und Freiflächen zu klein geworden – für Karl Friedrich 1808 der Grund, den Botanischen Garten an der heutigen Stelle anlegen zu lassen. Die baufälligen Orangerien südwestlich des Schlosses wurden abgebrochen und Architekt Friedrich Weinbrenner mit der Planung für das Areal und seine Gewächshäuser beauftragt. 1853 ging Heinrich Hübsch ans Werk – der Botanische Garten erhielt seine heutige Gestalt. Der Auftrag kam von Friedrich I., dem vorletzten Großherzog von Baden.

Versenden
Drucken