IM OKTOBER ein NATURSCHAUSPIEL DER GINKGO

Er ist ein lebendes Fossil – der Ginkgo. Im Botanischen Garten Karlsruhe ist man stolz auf zwei mächtige Exemplare. Sie sind etwa 150 Jahre alt. Der exotische Baum, der erste im 18. Jahrhundert in Europa bekannt wurde, fasziniert bis heute. Im späten Herbst färbt sich sein Laub in ein leuchtendes Gelb.

Botanischen Garten Karlsruhe, Blatt eines Ginkos

Die Blätter des weiblichen Ginkgo-Baumes sehen aus wie kleine Fächer.

EIN LEBENDES FOSSIL MACHT FURORE

Den Ginkgo kennt man aus fossilen Funden, die 250 Millionen Jahre alt sind. 1730 kam das erste „lebende“ Exemplar in die Niederlande, das später nach Kew Garden bei London verkauft wurde. Damit begann der „Run“ auf diesen Baum. Bis heute fasziniert der Ginkgo mit seiner besonderen evolutionären Stellung, mit seinem ungewöhnlichen und besonders typischen Laub. Berühmt ist das gleichnamige Gedicht, das Johann Wolfgang von Goethe 1815 über den Baum geschrieben hat.

HERBSTFÄRBUNG IN LEUCHTENDEM GELB

Der Ginkgobaum ist einer der letzten Bäume, die sich verfärben. Dann zieht er mit seinem leuchtenden Gelb die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Wann genau die beiden sehr großen Bäume im Botanischen Garten gepflanzt worden sind, ist nicht bekannt. Man kennt ein historisches Bild, datiert auf etwa 1867 bis 1870. Auf diesem ist ein etwa anderthalb Meter hoher junger Ginkgo zu sehen. Inzwischen ist dieser Baum 25 Meter hoch und fast genauso breit.

Eine historische Fotografie zeigt einen jungen Gingko-Baum im Botanischen Garten.

NADELBAUM ODER LAUBBAUM?

Die Gattung Ginkgo enthält nur eine einzige Art, den Ginkgo biloba. Pflanzensystematisch werden die „Ginkgoartigen“ bei den Nacktsamern eingeordnet – wie Nadelbäume und Palmfarne. Dass der Baum mit seinen Blättern alle Merkmale eines Nadelbaums aufweist, faszinierte alle bei seiner Entdeckung, darunter Goethe. Bau und Lebensweise dieser Baumart geben eine Vorstellung von der Pflanzenwelt in früheren Stadien der Evolution – daher spricht man auch von einem „lebenden Fossil“.

Botanischen Garten Karlsruhe, Ginko

Einer der beiden Ginkgo-Bäume im Botanischen Garten ist 25 Meter hoch.

EIN BAUMRIESE IM ALTER

Bis zu 40 Meter hoch kann der Baum werden: Im Alter wird der Ginkgo ein mächtiger Baumriese mit breiter Krone. Die Bäume erkennt man an ihren typischen ledrigen Blättern: Sie stehen an den langen Trieben immer im Wechsel; „wechselständig“ lautet der botanische Fachbegriff. An den kurzen Trieben wachsen sie in Büscheln. Sie unterscheiden sich in ihrer Form: Die Langtriebblätter erkennt man am unregelmäßigem Rand und der ungewöhnlichen Spalte in der Mitte. Die Kurztriebblätter sehen ganz gleichmäßig wie kleine Fächer aus.

MÄNNLICHE UND WEIBLICHE GINGKOS

Der Ginkgo ist eine zweihäusige Pflanze: Es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Im äußeren Erscheinungsbild lässt sich dies nicht erkennen. Unterscheiden kann man die Bäume erst im Herbst: Die weiblichen Exemplare entwickeln nach der unscheinbaren Blüte im Frühjahr mirabellengroße Früchte. Im Oktober verfärben sich diese Früchte gelb bis orange und fallen ab. Werden die Früchte auf dem Boden zertreten stinkt es penetrant nach Buttersäure.

Gingko-Samen, ganz und aufgeschnitten.

Samen des weiblichen Ginkgo-Baumes

DER GINKGO IM GARTEN

Männliche Ginkgos pflanzt man gerne als Straßenbegleitgrün. Sie halten das Klima in der Stadt aus; derzeit gibt es auch keine Schädlinge und Pflanzenkrankheiten, die den Baum befallen. Für den Hausgarten eignet sich der Ginkgo nur bedingt: Über die Jahre entwickelt sich das Zierbäumchen vom schlanken „Bäumling“ beim Kauf zu einem richtigen Baum. Daher ist Platz für eine Pflanzung das wichtigste Kriterium. Der Ginkgo stellt keine besonderen Ansprüche. Spätfröste im Frühjahr schaden nur dem jungen Laub.